Rücktritt nach Razzia
Selenskyjs Ex-Bürochef: „Ich gehe an die Front“
Wegen seiner Verwicklung in den beispiellosen Korruptionsskandal in Kiew hat Andrij Jermak seinen Posten als Selenskyjs Stabschef räumen müssen. Jetzt erklärte er, der ukrainischen Armee beitreten zu wollen.
„Ich wurde entehrt, und meine Würde wurde nicht geschützt“, obwohl er seit Kriegsbeginn im Februar 2022 in Kiew gewesen sei, schrieb Jermak in einer emotionalen Nachricht an die US-Zeitung „New York Post“. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wolle er deswegen keine Probleme bereiten. „Ich werde an die Front gehen“, erklärte er.
„Angewidert von Verleumdungen“
Jermak erklärte nicht, welcher Einheit er sich anschließen oder wann er zur Kampflinie aufbrechen wolle. Gegenüber der „New York Post“ kündigte er an, keine Anrufe mehr entgegenzunehmen. In seiner Nachricht schrieb der Ex-Bürochef noch, dass er „auf alle Repressalien vorbereitet“ sei. „Ich bin ein ehrlicher und anständiger Mensch“, wies der 54-Jährige jegliche Korruptionsvorwürfe von sich. „Ich bin angewidert von den Verleumdungen, die gegen mich gerichtet sind, und noch mehr angewidert von der mangelnden Unterstützung durch diejenigen, die die Wahrheit kennen“, schrieb er.
Mit seiner Ankündigung, an die Front gehen zu wollen, tut Jermak gewissermaßen das, wozu Selenskyj am Freitagabend in seiner Videobotschaft aufgerufen hatte. „Wir müssen alle im Interesse des Staates handeln und ihn verteidigen“, so der Präsident, der in Reaktion auf die Razzia von Korruptionsermittlern bei Jermak an die innere Stärke und Einigkeit der Ukraine appellierte. „Ich will nicht, dass jemand der Ukraine Fragen stellen muss“, betonte Selenskyj.
Der erzwungene Abgang seines Stabschefs war ein harter Schlag für den Präsidenten, da ihm ein langjähriger Vertrauter abhandenkommt. Jermak leitete das Präsidentenbüro seit dem Februar 2020 und galt bisher als der zweitmächtigste Mann in der Ukraine.
Noch keine Details zu Ermittlungen
Freitagfrüh hatten Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) die Wohnung von Jermak durchsucht. Fotos auf dem Internetportal „Ukrajinska Prawda“ zeigten, wie zehn Mitarbeiter von NABU und SAP ins kriegsbedingt schwer zugängliche Regierungsviertel gelangten. Der 54-Jährige, der als rechte Hand Selenskyjs und einflussreicher Strippenzieher galt, bestätigte die Ermittlungen gegen ihn in seinem Telegramkanal. Details zu den Vorwürfen gegen Jermak wurden bisher nicht bekannt. Sie dürften aber mit dem Schmiergeldskandal zusammenhängen, der seit Wochen die Ukraine erschüttert.

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