Über das Tagebuch-Schreiben, Social Media und die allgemeine Weltlage

Über das Tagebuch

Ich glaube, ich muss mal wieder schreiben. Eigentlich schreibe ich jeden Tag. Meistens direkt am Morgen, direkt ins Tagebuch. Was geht so vor sich, was ist geplant, was erwartet mich an dem Tag, an der Woche, im nächsten Quartal? Dabei geht es meistens um praktische oder organisatorische Dinge, aber auch meine Gefühle dürfen ihren Platz in die Zeilen finden, so wie sie gerade kommen. Ich filtere dabei nichts heraus, sondern versuche stets ehrlich zu mir zu sein. Das ist manchmal anstrengend. In diesem Jahr habe ich z.B. gemerkt, dass bestimmte Probleme, trotz meiner Anstrengungen und Bemühungen, nicht verschwinden. Wenn man dann mehrere Wochen oder Monate im Tagebuch zurückliest, fällt mir auf, dass ich immer noch am gleichen Problem hänge und keine Lösung in Sicht ist, was manchmal frustrierend ist. Dennoch benötigt die Seele ein Ventil und alles muss raus, damit man nicht platzt (oder neurotisch oder auf eine andere Art und Weise krank wird). Das Schreiben hilft mir auch ungemein, neue Perspektiven auf ein Problem zu bekommen und meine innere Einstellung ständig zu beleuchten und zu hinterfragen. Manche Lösungen kommen dann „wie von selbst“.

Ich schreibe jetzt schon seit meiner ersten größeren Lebenskrise Anfang 2000, als ein Mittel und praktisches „Werkzeug“, um mich innerlich zu sortieren und zu stabilisieren und es hilft meistens sehr gut. Man benötigt keine Tablette, keinen Alkohol, noch nichtmal Freunde oder jemanden, der einen zuhört. Das Tagebuch ist eine Zwiesprache mit sich selbst und es hört dabei immer zu und reflektiert schonungslos alles zurück. Das Blog ist eigentlich für mich eine Sonderform des Tagebuchs, meistens sehr persönlich, aber doch mit der Möglichkeit, das andere einen zulesen, mitfiebern und mitkommentieren können. Die gewisse Grundoffenheit sich selbst und anderen gegenüber gehört also dazu. (Zum Tagebuch und zum Blog) Ohne Offenheit geht es nicht und das ist z.B. ein Punkt, der bei mir anders geworden ist, als ich älter geworden bin. Die ganz große Naivität der Jugend ist vorbei, man wird „erwachsener“, reifer, vielleicht auch humorloser oder introvertierter. Meine Lust, meine Seele mit der ganzen Welt zu teilen, ist fast gegen 0 gesunken und das ist auch der Grund, warum ich nicht mehr so viel schreibe. Wenn man nichts teilt und in sich selbst ruht, ist es aber auch für andere schwierig, „anzudocken“. Menschen möchten ja immer wissen, was andere Menschen umtreibt. Eine gewisse Neugierde steckt in jedem von uns. Und es ist auf der anderen Seite auch die Grundlage für Freunde und soziale Kontakte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Menschen gerne andere Menschen anschauen und das auch ein Grund ist, warum Social Media so erfolgreich ist. Vor allem Social Media, bei denen wir ständig in den Alltag anderer Menschen mitgenommen werden. Je authentischer das umgesetzt wird, umso besser. Dann können wir auch nebenbei eine neue Pflegelotion oder ein Shampoo vom Influencer kaufen. Das stört uns nicht besonders, weil wir ja unsere Neugierde befriedigen durften. Nehmen und geben.

Alle Texte meines Tagebuchs liegen immer noch auf dem Computer. Es ist manchmal eine lustige Zeitreise, wenn ich die Dateien aufmache und darin stöbere. Ich erkenne sogar so etwas wie eine „innere Reifung“ an den Texten, aber nicht ausschließlich. Die Perspektiven sind einfach total anders, wenn man jung ist. Früher waren mir Freunde total wichtig und jeder zweite Satz ging irgendwie darum, wann ich wen treffen möchte. Das war in der Zeit besonders schlimm, weil es die Zeit war, wo ich mich auf der einen Seite massiv zurückgezogen habe und gleichzeitig total neu anders orientiert habe, also auch keine Lust mehr auf die alten Freunde und die alten Cliquen hatte. Es gab einen massiven Bruch in den sozialen Kontakten, aber auch im Inneren und man kann es in den Texten deutlich ablesen. Anfang 20 hatte ich noch eine gewisse Jugendsprache, die sich dann in den Jahren verändert hat. Später wurde ich albern und habe häufig Smileys eingefügt (so mit Mitte 20), der große Ernst des Lebens kam erst mit 35 oder 40. Aber selbst da war ich noch sehr optimistisch. Meine Texte wurden mit dem Alter besser und die Sätze länger. Aber ich kann auch eine gewisse Unbeweglichkeit erkennen und ich fing an, mein Leben mehr zu planen und weniger zu „leben“.

Zur Zeit (mit Ende 40) beschäftigte ich z.B. sehr intensiv mit der Frage des eigenen Alters und der Wechseljahre. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, weil ich mich mit dem Altern meiner Eltern sehr stark beschäftige und es mehr als sonst in den Fokus meines Lebens gerückt ist. Als Tochter, die nicht so weit weg wohnt, muss ich mich mit der Pflege und der Betreuung der älter werdenen Eltern beschäftigen und fühle mich verantwortlich. Das verändert einen Menschen ganz automatisch.

Über die Weltlage

Das ist jetzt auch die Zeit, wo ich ernst werde. Ich beschäftige mich wieder mehr mit ernsten Themen, vor allem die Politik und die Weltlage beschäftigt mich intensiv. Themen wie Armut oder Ausgrenzung werden wieder wichtiger. Die waren eine Zeit lang ganz aus meinem Fokus gerückt. Aber jetzt, wo die Wirtschaftslage für viele Menschen in Deutschland „sehr ernst“ wird, muss man wieder mehr darüber nachdenken und überlegen, was man persönlich tun kann, damit Probleme nicht schlimmer werden. Das gleiche gilt für Ausgrenzung und Diskriminierung so vieler Menschen, vor allem in den autoritären Ländern wie USA, Russland, China, usw. Das sind immer sehr große und bevölkerungsreiche Länder, wo überall Unfreiheit und Unterdrückung herrscht. Natürlich verändert es die Weltlage und somit eines Tages auch die persönliche Situation. Wir sind nicht frei davon, alles ist miteinander verbunden. Im schlimmsten Fall in Form von Wirtschaftskrisen oder Kriegen, die unversöhnliche Menschen miteinander führen „wollen“ oder die einfach aus Macht-Interessen geführt werden. Wir müssen auch lernen, unsere Demokratie und unsere Freiheit zu verteidigen, weil sie nicht selbstverständlich sind.

.. und Social Media

Was sich bei mir auch ständig geändert hat im Leben, sind die Hobbies. Es gab mal Jahre, da habe ich jeden Tag fotografiert und Bilder bearbeitet. Das war in der Zeit, als Instagram für FotografInnen noch eine tolle, unterstützende Plattform war, und man ständig neue Leute und andere Fotografen kennengelernt hat. Die Blütezeit von Instagram sozusagen, die ungemein schön und inspirierend war. Meine Motivation Bilder zu machen, war vor allem durch das Feedback und den Austausch mit anderen Menschen stark angewachsen. Plötzlich konnte man ganz einfach erkennen und lernen, was schöne und gute Bilder sind. Es waren noch keine KI-Inhalte, sondern Fotos, mit der Leidenschaft und der Liebe von echten Menschen. Man konnte in den Bild-Horizont von so vielen anderen Menschen eintauchen. Das war fast so intensiv wie die Blütephase der Blogs, wo man plötzlich in die Gedanken von Millionen Menschen blicken konnte und alle „wie selbstverständlich“ mitgemacht haben.

Das ist etwas, was mir sehr fehlt. Instagram ist so etwas wie das „Mordor“ von Herr der Ringe geworden. Sie sind komplett auf die dunkle Seite gewandert. Überhaupt fast alle amerikansichen Plattformen. Alle haben nur noch ein Ziel: Kurze, nichtssagende, bedeutungslose Kurz-Videos, ohne inhaltliche Verbindung oder Logik, die dich pausenlos an die Platform binden sollen. Man baut keine Beziehungen mehr zu Menschen, sondern nur noch zur Plattform auf. TikTok hat ihnen damals einen Schrecken eingejagt und seitdem eifern sie den Chinesen nach und haben selbst überhaupt keine neuen Ideen mehr.

Da ist kein Austausch mehr, nichts soziales. Keine Interaktion. Weder auf Instagram, Youtube, X (Twitter) oder Facebook. Die großen Plattformen kann man mittlerweile alle vergessen. Sie sind nur noch dazu da, Daten abzugreifen und aus dem Nutzer so viel „Nutzen“ (Daten, Geld, etc.) wie möglich zu ziehen. Schade. Irgendwann ist sowieso alles automatisiert. Der Feed, die Inhalte, die Nutzer. Wozu werden Menschen also noch benötigt?

Die einzige Plattform, die im Moment noch dagegen hält ist „Threads“, wo man immerhin noch Sachen von Menschen lesen kann, die nicht gefälscht oder manipuliert aussehen. Aber ich traue dem Frieden nicht.

Die einzige Antwort auf die wachsende Unfreiheit in der Welt, vor allem auch in der digitalen Welt, liegt darin, wieder mehr eigene Seiten, eigene Blogs und eigenen Inhhalt anzubieten, der von amerikanischen oder chinesischen Firmen komplett unabhängig ist.

Franko

„Er müsste eigentlich gar nicht mehr arbeiten“ sagte meine Schwägerin zu mir. „Er hat eigentlich genug Geld. Ich glaube sie haben drei Häuser und drei Kinder, alle haben einen guten Beruf“. Ich gucke ungläubig in die Augen meiner älteren Schwägerin, die auch Baby-Boomerin ist. „Warum arbeitet er dann noch?“ frage ich.  „Ich weiß es nicht. Vielleicht weil es ihm so viel Spaß macht?“ grübelt sie „und er findet keinen Nachfolger“.

Meine Verwandtschaft und ich sitzen auf einer gemütlichen Eck-Bank mitten im Saarland. Um uns herum ist „Eiche rustikal“, die Polster sind schon ein bisschen durchgesessen, die Dekoration in der Dorfkneipe etwas veraltet. Nach Rauch riecht es zum Glück nicht, weil im Saarland Rauchverbot in Restaurants ist. Aber die Luft ist trotzdem schlecht, weil jeder Platz belegt ist. An der Wand vor mir hängen Plakate, die neueren Datums sind und auf die nächste Dorf-Kirmes hinweisen.

 „70er Jahre“ denke ich mir, wenn ich mir so die Wände und Einrichtung anschaue. Zwar alt, aber irgendwie auch vertraut. So haben die Kneipen und Dorf-Restaurants immer ausgesehen. Zumindest die alten deutschen Wirtshäuser. Neben uns am Tisch sitzt eine Gruppe älterer Männer, die bestimmt auch alle schon im Rentenalter sind. Jeder hat ein „Karlsberg“ vor sich, das typische saarländische Bier. Sie gucken alle wie gebannt auf den Fernseher, der an der einen Seite des Lokals aufgehängt ist und das modernste und teuerste im ganzen Raum zu sein scheint. Ab und zu schreien sie erbost auf oder regen sich über eine Entscheidung des Schiedsrichters auf, aber die meiste Zeit sind sie auffällig ruhig und stören uns nicht.  „Wer spielt?“ möchte mein Mann wissen. „Ich weiß nicht, aber es könnte der FC Saarbrücken sein?“ denke ich mir, weil ich an der einen Ecke „FCB“ gelesen habe. Später bin ich über so viel Unwissen auf meiner Seite etwas verschämt und finde mit dem schlauen Smartphone heraus, dass Augsburg gegen Bayern München spielt. Wir warten auf das Brathähnchen, das extra bestellt werden musste und durch die besondere Zubereitung (in der Fritteuse!) ganz besonders lecker ist. Mein Mann bekommt eine Hälfte vom Hähnchen und meine jüngere Schwägerin- die Geburtstag hatte- die andere.

Ich sitze da und kaue auf dem Schnitzel herum, das in der selbst gemachten Rahmsoße vorzüglich schmeckt. Franko bewirtet die Gäste und bedient die Zapfanlage. Er wirbelt die ganze Zeit durch das Lokal und kommt mit dem Ausliefern der Speisen und Getränke kaum hinterher. Hilfe hat er nicht.  Seine Frau steht in der Küche und kocht. Als sie uns das Essen bringt, macht sie einen lustigen Spruch. „Sie hat bestimmt 1000 solcher Sprüche auf Lager“ denke ich mir, wenn man so lange dabei ist. Hin und wieder hört man den Hammer auf der Arbeitsplatte, wenn sie neue Schnitzel klopft. Es klingt entschlossen und gekonnt. Mehr als 6 oder 7 Schläge braucht sie nicht. Die Speisekarte ist klassisch, überschaubar und vertraut. Es gibt hauptsächlich Schnitzel in allen möglichen Variationen und Pizza. Die Preise sind extrem günstig. Am Ende des Abends mussten wir für alle vier Gäste zusammen nur knapp 55 Euro bezahlen. Das mag ein Grund sein, warum die Kneipe an diesem Abend so gut besucht ist. Aber die Atmosphäre ist auch einzigartig und gemütlich. „Saarland pur“, so wie man es erwarten würde, wenn man nur diesen Ruf des gastfreundlichen und umgänglichen Bundesland kennt.

„Es gibt hier im Ort fast nichts Vergleichbares“ sagt meine ältere Schwägerin, die sich hier gut auskennt, weil sie im kleinen saarländischen Dorf lange gewohnt hat. „Franko kenne ich schon seit 30 Jahren“. „Und er macht so lange das Lokal?“ frage ich sie. „Nein noch länger, er war schon vor uns hier“.

Eigentlich haben wir sie in Völklingen besucht. Aber in der Stadt gibt es kaum noch einheimische, vertraute Lokale. Also mussten wir ca. 20 Minuten mit dem Auto fahren, ein bisschen aufs Land, in Richtung der französischen Grenze, die von hier auch nur noch einen Katzensprung entfernt ist.

Franko blickt also mit seinen knapp 70 Jahren auf eine ca. 50 jährige Arbeitszeit zurück. Mit seinem Alter dürfte er längst in Rente sein. Er ist „Boomer“ und hat sich vermutlich nach dem Krieg alles selbst aufgebaut. Zusammen mit seiner Frau. Aber jetzt findet er keinen Nachfolger. „Zu viel Arbeit“ sagt meine jüngere Schwägerin. Sie hat mal selbst in einer Kneipe gearbeitet und weiß, was zu tun ist und wie viel Vor- und Nacharbeit bei der Gastronomie anfällt. „Das will heute keiner mehr machen“. Die Kinder haben gelernt und gute Berufe. Ich trinke noch einen Schluck aus meinem Bierglas und überlege, was aus dieser Dorfkneipe wohl wird, wenn Franko endgültig nicht mehr kann und nur noch wie ein „fauler Rentner“ auf dem Sofa sitzen und selbst Fußball schauen wird.

Diese „Boomer-Generation“ ist die, die unser Land aufgebaut hat. Sie ist selbst „mit nichts“ auf die Welt gekommen. Die Eltern haben nur den Krieg, Armut und Entbehrung gekannt. Da waren keine großen Erbschaften, Aktiendepots oder Häuser, die übergeben werden konnten. Es war ja alles zerstört!  Was für Eigenschaften musste man haben, , wenn man in dieser Zeit geboren wurde, um überleben zu können? Es ging um Arbeit, Fleiß und Disziplin. Immer stand die Arbeit im Mittelpunkt, alles andere fand nur am Rand statt. Es war selbstverständlich, lange und hart, viel und auch am Wochenende zu arbeiten.
Franko ist für mich so ein Paradebeispiel für einen Boomer aus dieser Zeit. Und wie abwertend und negativ dieser Begriff mittlerweile verwendet wird. Es ist eine Diskriminierung der ganz besonderen Art.

In der Kneipe ist noch ein älterer Herr mit Hund. Mein Mann, der ein großer Hundefreund und auch Baby-Boomer ist, spricht ihn an. Sofort kommen sie ins Gespräch. Der Hund schaut uns mit seinen dunkelbraunen Augen gemütlich ins Gesicht und schnüffelt ein bisschen an der Hose. Außer uns ist noch eine jüngere Familie Anfang 30 in der Kneipe. Man hört ein Kind schreien, ein anderes quengelt gerade herum. Sie sind kurz vor der Schlafenszeit. Kinder sind in der Minderheit, der Großteil der Besucher ist mindestens 50 Jahre, die meisten wohl über 60 Jahre alt.

Als wir an dem Abend nach Hause fahren, denke ich noch lange über diesen Kneipen-Besuch nach. „So Kneipen gibt es bald nicht mehr“ sagt meine ältere Schwägerin. „Aber eigentlich ist es eher ein Gasthaus“ sagt die jüngere Schwester. „In Keipen bekommt man nur Getränke“.

„Stimmt“ entgegnet die ältere Schwester. Aber was ist Frankos Gasthaus nun wirklich? Es ist eine Kneipe mit saarländischer Gemütlichkeit und der Möglichkeit mit Freunden Fußball zu schauen, nette Leute zu treffen, ein Dorfmittepunkt, ein bisschen Familie, nette Zufallsbegnungen, ein leckeres und gepflegtes Restaurant, in dem man gut und gerne essen kann. Die Fremden haben sogar die Auswahl über 20 verschiedene Gästezimmer, die man schon ab 40 Euro (!) die Nacht erhalten kann.

Franko wird uns fehlen, wenn er eines Tages nicht mehr arbeiten kann.

Der erste Herbsttag und ein paar Gedanken dazu

Letzte Woche habe ich den ersten Herbsttag erlebt. Ich bin – wie immer- in den Wald zum Spazieren gegangen und wollte die frische Luft genießen. Die ganze Zeit hatten wir diese warme, trockene Sommerluft. In der Wohnung habe ich die Ventilatoren und andere Kühlhilfen noch lange nicht abgebaut. Frühstens Mitte bis Ende Oktober werde ich darüber nachdenken, ansonsten ist mir immer „zu warm“.

Die langen trockenen Phasen machen sich in der Natur deutlich bemerkbar. Zuerst gibt das Gras am Wegrand den Geist auf, dann folgen irgendwann die Büsche, die gelber werden und die Äste und Blätter hängen lassen. Am Ende sind die Baumriesen dran und die Waldbrandgefahr steigt. Alles ächzt und stöhnt unter der Hitze. Und der Sommer ist immer endlos lang, so ist mein Eindruck. In Zeiten des Klimawandels scheint er bei uns in der Pfalz von April bis September zu gehen! Richtig lange Regenphasen hat es dieses Jahr nur im Juli gegeben.

Auf dem schmalen Waldweg, den ich vom Parkplatz aus in den Wald laufe, riecht es am Anfang immer nach Hundekot. Ein beißender, unangenehmer Geruch, der sich wochenlang hält, weil es wieder so wenig geregnet hat. Geht man tiefer in den Wald, wird es merklich weniger. Die Leute gehen nicht gerne so weit. Mit jedem Schritt, den ich tiefer in den Wald gehe, wird der „gute Geruch“ von Bäumen und Blättern stärker und meine Sorgen und Probleme fallen immer stärker von mir ab. Es ist ein erstaunlicher Vorgang und hätte ich einen internen Regler (so ein grünes Teil wie bei „Die Sims“) dann würde man mit jedem Meter sehen, wie der „Zufriedenheitsbalken“ ein bisschen wächst und der „Sorgenbalken“ ein bisschen kleiner wird. Eine erstaunliche, einfache Therapie, die bei mir jedes Mal wirkt.

Einfach laufen. Ich nenne es „über die Depression drüber laufen, bis sie verschwindet“. Und die negativen Gedanken verschwinden jedes Mal! Am besten geht es im Wald. Vielleicht weil es so schön grün ist? Alles geht zurück, neben den Sorgen werden auch die Schmerzen in den Beinen und Füßen weniger. Das ist paradox, weil man als Mensch immer diese „Schonhaltung“ bei Schmerzen einlegt: Tut etwas weh, belastet und nutzt man den Körperteil weniger, in Folge tut er meistens noch mehr weh. Unser Körper möchte und sollte genutzt werden! Gerade das Laufen sitzt tief in unserer DNA. Wir sind als „Laufmenschen“ konzipiert, die wenig Kalorien über den ganzen Tag verteilt zu sich nehmen. Und was machen wir in der heutigen Zeit? Wir sitzen viel, lassen uns mit Auto, Bus und Zug überall hinfahren und essen auch noch viel mehr, als uns gut tut. D.h. wir leben ständig in einem inneren Ungleichgewicht und haben z.B. auch kaum Möglichkeiten, Stress-Hormone abzubauen. Am besten geht das durch körperliche Betätigung, durch die Bewegung der Muskeln, durch Atmen und Anregen des Kreislaufs. Giftstoffe müssen aus unserem Körper gespült werden, die Lunge muss belüftet werden, das Herz kräftig schlagen und die Lymphe muss in Bewegung kommen. Bewegung an der frischen Luft ist daher die beste Immuntherapie! Und sie hilft sogar bei seelischen Problemen, weil alle Hormone und alle „Stressfaktoren“ (z.B. Cortisol) abgebaut und auf ihren Normalzustand gesetzt werden. (mehr Infos dazu: https://www.tagesspiegel.de/wissen/wir-sind-zum-laufen-geboren-5067739.html )

Auf jeden Fall war diesmal der erste Herbsttag zu spüren. Auf den Wegen liegen die ersten gelben Blätter. Am Anfang weiß man nie, ob es an der endlosen Trockenheit des Sommer gelegen hat oder der beginnenden Kühle. Wobei „kühl“ ist es eigentlich noch nicht. Aber das Wetter wurde jetzt plötzlich deutlich feuchter. Aus den endlosen 30 Grad Tagen wurden plötzlich 20 Grad Tage. Die Temperatur ist richtig runter gesackt und hat eine neue Phase in der Wetterküche eingeläutet. Teilweise kommt es mir so vor, als ob wir in Südostasien leben und nach dem langen warmen Sommer jetzt erst mal die „Monsunzeit“ beginnt.

Der September ist – meinen Erinnerungen nach- deutlich zu warm und zu schwül. Ich erinnere mich an September, die schon deutlich kühler, aber auch trockener waren. Monate, in denen die Atmosphäre nicht so voll mit Energie war. Der September war immer der Monat der „Übergangsjacke“, jetzt ist er immer noch der Monat der kurzen Hosen, Röcke und leichten T-Shirts.

An den zeitlichen Prozessen der Natur scheint der Klimawandel aber nicht soviel zu ändern: Die Brombeeren waren vor ein paar Wochen noch hellrot, jetzt sind die meisten gereift und haben eine schwarze oder lila Farbe. Sie warten darauf von hungrigen Wanderern oder Spaziergängern vom Wegesrand gepflückt zu werden. Auf dem Boden liegen die ersten Eicheln und der letzte Wind hat sogar die ersten Walnüsse vom Baum geholt. Es wird dieses Jahr ein gutes Nuss-Jahr, die Bäume hängen voll davon.

Und auch wenn die Natur uns immer so reich beschenkt, so sieht man selten Leute, die davon profitieren möchten. Kaum jemand, der mal einen wilden Apfelbaum oder einen Kirschbaum pflückt. In Grünstadt gibt es sogar mehrere Flächen, in denen es ausdrücklich erlaubt und gewünscht ist („Die Bäume mit dem gelben Bändern dürfen abgeerntet werden“). Meistens machen diesen „einfachen Job“ die Vögel oder die Natur selbst, wenn die Früchte einfach abfallen und verfaulen. Ein Zeichen unseres Wohlstandes und materiellen Überflusses, in dem wir uns immer noch befinden.

Die Felder und Weinberge sind hingegen vom Menschen stark „durchorganisiert“. Pünktlich zum Start des Augusts gehen bei uns die „Weinbergsknaller“ los und verleiden uns die Hundeausflüge in weite Teil der Pfalz. Überall werden Vögel und andere „Räuber“ von Knallanlagen verscheucht. Wenn wir manchmal morgens im Hof sitzen, hört man schon ganz früh die Schussanlagen. Eine nervige Unterbrechung und ein Zeichen, wie sehr der Mensch versucht, Kontrolle über die Natur und die Tiere zu erlangen. Allerdings sind die meisten Vögel schlau und lassen sich von dem bisschen Geknalle nicht wirklich abschrecken. Sie haben schnell den Bogen raus, dass das Knallen sie nicht unmittelbar bedroht und leicht umflogen werden kann. Unser Hund aber, der sehr feine Ohren hat, zuckt jedes Mal zusammen und wir müssen immer einen Sicherheitsradius von mindestens 5 km um jeglichen Weinberg einlegen, wenn die Herbst- und Lesezeit beginnt. Der Hund wäre aber zusammen mit dem Menschen auch der natürliche Feind von Ernte-Räubern: Egal ob Vögel, Hasen oder Rehe: Wenn wir durch die Weinberge gehen, sorgen wir mit den „Angsträumen“ (die auch von anderen natürlichen Jägern wie z.B. Wölfen aufgebaut werden) dafür, dass ein natürliches Gleichgewicht entsteht. (mehr Infos: https://chwolf.org/woelfe-kennenlernen/oekosystem/wolf-als-teil-des-oekosystems ) Durch das künstliche Eingreifen des Menschen wird dieses Gleichgewicht gestört.

Ähnlich ist es mit den abgeernteten Feldern, die bereits im August ein trostlosen Anblick bieten: Alles ist abgeerntet, ratzeputz und kahl abgemäht, keine Blume, kein „Unkraut“ und keine Pflanze hat überlebt. Es entstehen riesige, langweilige Erdflächen, die keinerlei Schutz vor Erosion (Wassermassen, Wind, etc.) bieten. (–> https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-flaeche/bodenbelastungen/erosion-jede-krume-zaehlt ) Nur oben an der Zufahrtsstraße hat man eine kleine Allee mit Bäumen gelassen, ansonsten sind wieder „Nutzräume“ entstanden, die zwar einfach zu bewirtschaften sind (vor allem von großen Maschinen), aber der Natur keinen Mehrwert bieten.

Und die Bauern selbst? Wenn sie mal am Acker was richten müssen, fahren sie natürlich mit dem Auto durch auch noch den kleinsten Feldweg. Mit dem Rad oder zu Fuß ist keiner mehr unterwegs, alles ist dem Fortschritt, der Effizienz und der Technisierung untergeordnet.

Und doch haben wir „Schulden“, Armut und Probleme, wohin das Auge schaut. Auch wenn wir uns bemühen, effizient und wirtschaftlich zu arbeiten, sind wir es am Ende nicht. Wirtschaftskrise seit drei Jahren, Klimawandel, Wassermangel, Inflation, die Kommunen sind überschuldet, Sozialausgaben angeblich zu „hoch“, militärische Ausgaben angeblich zu „niedrig“ und alle reden nur von Krieg, keiner mehr von Frieden.

Die Natur zeigt uns ihre Grenzen auf, ob wir wollen oder nicht. Ressourcen sind endlich, es muss nachhaltig und intelligent „gewirtschaftet“ werden, regelmäßige Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen (egal ob in der Umwelt, sozial oder wirtschaftlich) sind extrem wichtig.

Gedanken zum Thema KI (Teil 1)

Wir müssen dringend über KI reden. Kein Thema hat sich in der Öffentlichkeit so breit gemacht wie die künstliche Intelligenz. Vom Gefühl her hat die neue Technologie das Potential, der nächste „Game Changer“ zu werden und vor allem Technik affine Menschen und Menschen, die das schnelle Geschäft wittern, haben sich natürlich darauf gestürzt. Aber auch in den Alltag der „ganz normalen Menschen“ wird die KI stärker einfließen. Manchmal werden wir es stärker merken, manchmal weniger. Manchmal wird einfach der Arbeitsplatz unter unserem „Hintern“ wegrationalisiert, manchmal sind nur die „Selbstscan-Kassen“, die mit immer mehr Technik und Aufwand den Faktor Mensch ersetzen wollen. Das Thema ist hochkompliziert und viele Bücher und Veröffentlichungen gibt es bereits zu dem Thema. Wie immer, interessiert mich auch die philosophische Seite daran und was die künstliche Intelligenz mit unserer Gesellschaft macht und was genau sie verändern wird.

Was mir persönlich aufgefallen ist, ist die schnelle und einfache Zugänglichkeit und das von heute auf morgen unzählige Angebote und Tools zu dem Thema auf den Markt gekommen sind. So ist es z.B. relativ einfach, einen Text-Bot wie ChatGPT zu finden und auch zu nutzen, das Angebot ist „niederschwellig“. Auch die neuen Bildgeneratoren findet man zahlreich und quasi „an jeder Internet-Ecke“. Im Smartphone kommen die neuen Tools und Werkzeuge per Update, ob man möchte oder nicht und auch mein Bildbearbeitungsprogramm war sehr schnell mit dem Nachliefern der neusten „Tools“. Sogar in meinem Textverarbeitungsprogramm bekomme ich so viele „Tipps“ und „Hilfestellungen“, dass es fast aufdringlich wird und warum soll mir jetzt mein PDF-Anzeigeprogramm eine automatische Zusammenfassung erstellen, wenn ich den Text auch selbst lesen könnte?

 Wir bekommen die Technik also quasi „untergeschoben“ und sollen sie ohne weiteres Nachprüfen und Nachdenken übernehmen, Kritiker könnten auch meinen, wir sollen „davon abhängig gemacht“ werden, denn wie jede neue Technik sind sie bequem und verführerisch und nehmen uns jede Menge Arbeit ab. Manche Länder wie die USA oder China sind sehr schnell im Entwickeln der neuen Technik, andere Länder wie Deutschland sind gewohnt bequem, konservativ und brauchen sehr lange, bis sie das Potential solcher Techniken erkennen oder sogar in der Breite nutzen.

Wie so immer bei der neusten Technik, gewinnt derjenige, der sie entwickelt und am schnellsten und besten in den Markt bringt (und das wird nicht Deutschland sein). Natürlich ist die Künstliche Intelligenz erstmal ein Riesengeschäft. Und sie hat auch ein „Geschmäckle“, denn der Zugriff auf bekannte Daten und Datenbanken geschieht irgendwie im Hintergrund und man kann nicht erkennen, ob nun Urheberrechte verletzt werden oder nicht.

Und es gibt noch ein anderes Problem: Die KI kann ja nur auf „bestehende Sachen“ zurückgreifen, aber nicht wirklich neu denken. Vielleicht neu zusammenwürfeln, aber sie ist- wie jede Maschine- immer abhängig von Datensätzen, die der Faktor Mensch erstellt hat. Auch die Regeln wurden von einem Menschen erstellt und somit auch die inneren emotionalen Maßstäbe, die beim Bewerten von Informationen ja angewandt werden müssen. Man sieht das ja z.B. an der Wikipedia, dass es sehr viele gute technische oder wissenschaftliche Artikel gibt, beim Thema „Soziologie“, „Psychologie“ oder anderen weichen „Nischenthemen“ die Informationsdichte und Qualität schlechter wird. D.h. die dahinterstehenden Autoren bestimmen auch die Inhalte und es wird sich immer eine Übermacht oder eine „Richtung“ entwickeln, weil es in der Natur des Menschen liegt, einseitig zu sein.

Wenn Content-Ersteller wie Autoren, Redakteure, Musiker, Fotografen erkennen, wie ihre Inhalte von den KI-Konzernen „missbraucht werden“, werden sie sich immer mehr fragen, ob sie ihre Werke „frei verfügbar“ in das Internet stellen, weil ja dann die Gefahr besteht, dass diese Daten abgegriffen und von anderen Personen und Parteien genutzt, also verkauft werden. Und das ist wiederum ein ganz altes, bekanntes Thema des Internets. Die Rechtenutzung muss geklärt werden, aber durch das neue „Zusammenwürfeln“ der Inhalte kann man die eigentliche Quelle besser als je zuvor verschleiern. Im schlimmsten Falle führt also die neue KI dazu, dass Content-Creator noch vorsichtiger werden und noch mehr Bezahlschranken für ihre mühevoll erstellten Inhalte einrichten, was ja z.B. bei Zeitungen und anderen Online-Magazinen schon lange der Fall ist.

Aber der „Vordenker“, also derjenige, der einen Gedanken als erstes oder sogar exklusiv hatte, wird in der KI ganz vorne stehen. Den Nutzern muss eine Antwort geliefert werden, denn die KI würde uns niemals so etwas sagen wie „Sorry, dafür habe ich zu wenige Informationen, ich kann Dir keine vernünftige Antwort geben“, sondern sie würde- wenn es nur ein Datensatz zu einem Thema gibt- auch nur eine einzige Antwort haben. Und somit ist sie wieder so dumm wie jeder gewöhnliche Computer. (Diese Tatsache ist mir beim Recherchieren schon selbst aufgefallen, da ging es um eine politische Frage in Bezug auf die Rente)

Ein anderes großes Problem der neuen Tools ist die Fähigkeit, Videos, Sprache und somit ganze Personen zu fälschen und somit Falsch-Informationen zu verbreiten. Der Fachbegriff lautet „Deep Fake“ und auch dafür gibt es nur wenige Lösungen. Sicherlich werden Tools entwickelt, mit der künstliche Intelligenz erkennen kann, ob jemand künstliche Intelligenz benutzt hat oder das Video nur ein Fake ist. Es wird also eine Art „Wettlauf“ der Systeme geben, ähnlich wie bei den Viren-Entwicklern und den „Anti-Virenprogrammen.“

Aber in der Summe wird es dazu führen, dass wir digitalen Medien gegenüber immer misstrauischer werden und auch beim Thema „Fernsehen“ immer weniger eine Garantie haben, dass wir es mit der Realität zu tun haben. Auch das ist ein Kritikpunkt, der bei den Medien schon sehr alt ist, denn es liegt in der Natur der Sache, dass die Tatsachen immer ein wenig „verbogen“ werden oder dem Interesse einer bestimmten Meinungshoheit dienen sollen. Das war sicherlich schon beim Aufkommen der ersten gedruckten Zeitungen so. Und wenn es nur finanzielle Interessen sind oder die Absicht, mit „sensationellen Inhalten“ mehr Aufmerksamkeit und LeserInnen zu erhalten.

Ein anderes großes Problem bei der KI ist der Stromverbrauch und der Ressourcen-Hunger: Es werden eigens Rechenzentren für solche Tools gebaut und die Chips müssen darauf angepasst werden (ein Grund, warum die Aktie von Nvidia Anfang des Jahres so stark gestiegen ist). Länder, die Energie billig und vielleicht „unsauber“ produzieren, werden also wieder weitere Vorteile haben. Länder wie Deutschland, die bei einem hohen Energieverbrauch generell immer Bedenken oder einfach zu hohe Strompreise haben, werden wieder den Anschluss verlieren. Und das ist bedenklich, weil so die Abhängigkeit von großen Ländern wie die USA oder China wieder stärker wird und über die Inhalte und die „Lenkungsmöglichkeiten“ der KI unsere persönliche Freiheit und Demokratie bedroht wird.

Fragen wir zum Schluss mal selbst eine KI, was sie von sich selbst hält und wie die gesellschaftlichen Veränderungen sein werden:

Erläutere mir in ca. 8 Sätzen im Stil eines Blog-Artikels, wie die künstliche Intelligenz die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik in den nächsten 10 Jahren verändern wird. Gehe dabei auf die Vorteile, die Nachteile und die Risiken ein. Berücksichtige dabei auch die Themen Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, Menschenreche, Demokratie und Meinungsfreiheit.

[Antwort]

Gibt es bereits Firmen, die die KI einsetzen, um die persönliche Freiheit von Menschen zu verschlechtern?

[Antwort]