Abstract
Die Frühe Neuzeit, die man (randunscharf) zwischen 1450 und 1720 ansetzt, bewegte sich zunächst in der zuvor aufgebauten, asymmetrischen Konstellation der Offenbarungstheologie und der von ihr geförderten oder zugelassenen Philosophie und ihrer auf „natürlicher“ Vernunft und Erfahrung basierenden philosophischen Theologie. Beide Wissensformen und ihre Beziehungen zueinander bzw. zu religiöser Praxis erfuhren jedoch im Kontext starker religiöser, wissenschaftlicher und religionspolitischer Turbulenzen tiefgreifende Veränderungen, die man in den nachreformatorischen Konfessionen zu stabilisieren suchte. Allerdings emanzipierte sich die bislang schon artikulierte Selbständigkeit der philosophischen Befassung mit Religion und ihren Gehalten deutlicher und erfolgreicher von der Dominanz der christlichen Theologie und verweigerte sich der Rollenzuweisung einer propädeutischen „Magd“ des Offenbarungsglaubens.