Abstract
Das Konzept Offenbarung greift als Abstraktum die Bedeutungsdimensionen verschiedener Begriffe auf, unter denen traditionsgeschichtlich das griechische Wort ἀποκάλυψις (‚Enthüllung‘) eine besondere Position einnimmt. Es verweist auf die Vermittlung eines ursprünglich entzogenen Wissens und ist in eine eigene Literaturgattung eingelassen (Apokalypsen). Sie wurde kulturgeschichtlich produktiv (Kunst, Literatur, Film, Comics) und beeinflusst bis heute die allgemeine Ästhetik (Katastrophen). Offenbarung erweist sich insofern als ein so virulentes und deutungsstarkes, zugleich aber prekäres Interpretationskonzept.Der Beitrag geht auf der Basis begriffsgeschichtlicher Klärungen historischen Problemkonstellationen von der Antike bis in die Gegenwart nach. Der Fokus liegt auf diskursiven Übergängen zwischen Philosophie und Theologie, die u. a. unter religionskritischen Vorzeichen aufgegriffen werden. Religionsphilosophische Perspektivierungen und Problemanzeigen konturieren das Konzept Offenbarung abschließend in systematischem Interesse.