Ausland

Russische Kampfjets haben einem Medienbericht zufolge am Freitag einen Alarm der Luftverteidigung in Polen ausgelöst. Vier Kampfjets vom Typ MiG-31 seien in Richtung der russischen Westgrenze geflogen, berichtete die deutsche Zeitung „Bild am Sonntag“ laut Vorabmeldung gestern Abend und berief sich auf Informationen aus NATO-Kreisen.

Polnische Streitkräfte sowie in Polen stationierte Bundesheereinheiten hätten ihre Luftverteidigungssysteme daraufhin in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Zwei deutsche Patriot-Luftabwehrsysteme auf dem Flughafen in Rzeszow, über den ein Großteil der westlichen Militärhilfe für die Ukraine läuft, wurden dem Bericht zufolge aktiviert. Die russischen Jets seien später wieder umgekehrt.

Polen ist ein entschiedener Unterstützer der Ukraine bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg und ein wichtiges Drehkreuz für Hilfs- und Waffenlieferungen in die Ukraine.

Immer wieder Luftraumverletzungen durch Russland

Das EU- und NATO-Mitgliedsland hat Grenzen zur Ukraine, zu Russlands Verbündetem Belarus und zur russischen Exklave Kaliningrad. Auch EU- und NATO-Länder wie Estland und Rumänien meldeten bereits das Eindringen russischer Drohnen oder Militärflugzeuge in ihren Luftraum. Westlichen Fachleuten zufolge testet Russland damit gezielt die Einsatzbereitschaft der Luftverteidigung und die politische Toleranz für die Luftraumverstöße ab.

In Tunesien schickt sich die Regierung von Präsident Kais Saied an, führende Oppositionelle auszuschalten. Die Polizei nahm heute die bekannte Regierungsgegnerin Chaima Issa bei einer Demonstration in der Hauptstadt Tunis fest. Ihre Anwälte teilten mit, damit werde eine 20-jährige Haftstrafe vollstreckt. Vor ihrer Verhaftung sagte Issa zu Reuters: „Ich sage den Tunesiern: Protestiert weiter und lehnt die Tyrannei ab! Wir opfern unsere Freiheit für euch.“

Die Regierungsgegnerin Chaima Issa bei einer Demonstration in der Hauptstadt Tunis
Reuters/Jihed Abidellaoui

Ein Berufungsgericht hatte am Vortag Haftstrafen von bis zu 45 Jahren gegen Oppositionsführer, Wirtschaftsvertreter und Anwälte verhängt. Der Vorwurf lautete auf Verschwörung zum Sturz des Präsidenten. Es wird erwartet, dass die Polizei auch den Chef der oppositionellen Nationalen Heilsfront, Najib Chebbi, festnimmt. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, der bekannte Oppositionelle Ayachi Hammami erhielt eine fünfjährige Haftstrafe.

40 Angeklagte

In einem der größten politischen Prozesse in der jüngeren Geschichte Tunesiens waren 40 Personen angeklagt. 20 der Angeklagten sind ins Ausland geflohen und wurden in Abwesenheit verurteilt. Die Strafen reichten von fünf bis 45 Jahren, wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht, das Reuters einsehen konnte.

Zunehmend autoritäre Herrschaft

Kritiker werteten die Urteile als Beleg für die zunehmend autoritäre Herrschaft von Saied. Human Rights Watch und Amnesty International forderten die sofortige Aufhebung der Urteile. Saied hatte 2021 das Parlament aufgelöst und regiert seitdem per Dekret. Laut Kritikern beendete er die Unabhängigkeit der Justiz und setzte ihm ergebene Richter ein.

Kritiker, Journalisten und Aktivisten wurden inhaftiert und Nichtregierungsorganisationen verboten. Saied weist den Vorwurf zurück, er sei ein Diktator. Vielmehr kämpfe er gegen das Chaos und die Korruption, die in der politischen Elite grassierten.

Draußen große Proteste, im Saal große Einigkeit: In Gießen im deutschen Bundesland Hessen hat sich gestern die neue Jugendorganisation der vom deutschen Verfassungsschutz als rechtsradikal eingestuften Partei Alternative für Deutschland (AfD) mit dem Namen Generation Deutschland (GD) gegründet.

Protest gegen AfD-Jugend in Gießen
Reuters/Timm Reichert

Zehntausende Gegner und Gegnerinnen versammelten sich in Gießen, die meisten von ihnen protestierten friedlich. An einigen Orten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Diese setzte mehrmals Wasserwerfer ein und verhinderte, dass der Versammlungsort gestürmt wurde.

Bis zum frühen Nachmittag wurden zehn bis 15 verletzte Beamte gezählt. Das Uniklinikum Gießen-Marburg sprach zudem von rund 15 leicht verletzten Demonstranten mit ambulanter Behandlung bis zum Nachmittag. Zahlen zu Festnahmen oder Platzverweisen konnte die Polizei nicht nennen.

Proteste seit der Früh

Die Proteste begannen schon am frühen Morgen. Aktivisten und Aktivistinnen blockierten mehrere Straßen in der Gießener Umgebung, um eine Anreise zu dem Gründungskongress zu verhindern. Das Treffen begann mit rund zweistündiger Verspätung.

Auch die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla verspäteten sich. Sie kritisierten die Blockaden scharf. Die Junge Alternative (JA) hatte sich im Frühjahr aufgelöst, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte. Der Grund: Die JA war als eigenständiger Verein nur lose an die AfD angebunden. Mitglieder – mit Ausnahme der Vorstände – mussten nicht Mitglied der Partei sein und agierten weitgehend unabhängig.

Die Generation Deutschland soll nach Angaben von AfD-Chefin Weidel vor allem Nachwuchs für die Partei hervorbringen, auch mit Blick auf die Landtagswahlen im nächsten Jahr in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Partei nach Umfragen erstmals in Regierungsverantwortung kommen könnte. Dann müssten viele Posten besetzt werden.

Im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben erstmals seit Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas mehr als 70.000 Tote registriert worden. Das teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde gestern mit.

Leichen werden aus Trümmern geborgen

Insgesamt seien seit Donnerstag 301 Menschen ums Leben gekommen. Damit liege die Zahl aller Toten bei 70.100. Zwei Menschen seien bei jüngsten israelischen Angriffen gestorben. Die anderen Menschen seien früher gestorben, ihre unter Trümmern begrabenen Leichen konnten laut Behörde nun identifiziert werden.

Eine Stellungnahme des israelischen Militärs dazu lag nicht vor. Die Armee bestreitet grundsätzlich, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen anzugreifen. Vertreter der Regierung in Jerusalem haben in der Vergangenheit der Hamas vorgeworfen, bei der Zahl der Opfer zu übertreiben. Die palästinensische Gruppierung weist das zurück. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Daten der Gesundheitsbehörde als glaubwürdig.

Die israelische Offensive wurde durch den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Seit einem brüchigen Waffenstillstand vom 19. Jänner steigt die Zahl der registrierten Toten stetig an, da die palästinensischen Behörden die relative Ruhe nutzen, um in den Trümmern nach Leichen zu suchen.

Inland

Die Defizite von Ländern und Gemeinden dürften im kommenden Jahr noch weiter als bisher angenommen steigen. Gemäß dem Freitagabend vereinbarten neuen Stabilitätspakt steigt das Minus der Länder und Gemeinden 2026 auf 1,13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

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Das sind deutlich mehr als die 0,9 Prozent, von denen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) noch Mitte Oktober ausgegangen war. Um das gesamtstaatliche Budgetziel von 4,2 Prozent zu halten, müsste der Bundessektor sein Defizit verringern.

Die Prognosen haben sich damit innerhalb kurzer Zeit weiter deutlich verschlechtert. In dem im Frühjahr erstellten Doppelbudget war das Finanzministerium für 2026 noch von einem Defizit der Länder und Gemeinden von 0,7 Prozent des BIP ausgegangen.

Neuer Schlüssel

Im Herbst hatte Marterbauer dann erklärt, dass die Länder und Gemeinden um 1,6 Milliarden bzw. 0,2 Prozentpunkte, die Sozialversicherungsträger um 0,1 Prozentpunkte schlechter als angenommen abschneiden, das aber durch ein besseres Ergebnis des Bundes von 3,2 Prozent kompensiert werde.

Nun dürfte das geplante Defizit der Länder und Gemeinden um weitere 0,2 Prozentpunkte steigen. Der Bund darf demnach nächstes Jahr gemeinsam mit den Sozialversicherungsträgern nur mehr 3,07 Prozent des BIP zum Defizit beitragen.

Ihre Schulden können die Bundesländer gemäß dem unterzeichneten neuen Stabilitätspakt bis zur Höhe des vereinbarten Anteils über die Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) ohne Zinsaufschlag aufnehmen und refinanzieren.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at , salzburg.ORF.at und ooe.ORF.at

Laut Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) gibt es noch keine Einigung, das Gesundheitssystem aus einer Hand zu regeln. Eine solche sei ihr „nicht bekannt“, sagte sie zur „Kleinen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe). „Im Gegenteil: Wir schauen jetzt gemeinsam, welche Reformschritte sinnvoll sind“, so Schumann.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hatte am Mittwoch von einer entsprechenden Einigung mit den Ländern gesprochen. Details blieb Stocker aber noch schuldig, im Dezember solle es intensive Gespräche zum Thema geben.

Die zentrale Bündelung sei nur eine Möglichkeit, betonte auch Schumann: „Ich sehe es als Vorschlag im Rahmen der Reformpartnerschaft von Bund und Ländern, weiß aber, dass es auch andere Varianten gibt. Das muss jetzt ausverhandelt werden.“

Nur Kompetenzen zu verschieben löse noch kein Problem, so die Gesundheitsministerin. „Aber ich bin sehr dankbar, dass sich der Bundeskanzler der Gesundheit stark annimmt, weil sie eines jener großen Themen ist, das wir jetzt für die Zukunft neu aufstellen müssen.“ Chancen sieht Schumann darin, „länderübergreifend und in größeren Regionen zu denken“.

Ukraine-Krieg

Moldawien wirft Russland eine Verletzung seines Luftraums durch Drohnen vor. Es sei der dritte derartige Vorfall innerhalb von neun Tagen, teilte das Innenministerium in Chisinau gestern mit. Der Luftraum des Landes blieb daraufhin für gut eine Stunde geschlossen. Die prowestliche Regierung wirft Moskau Einschüchterung vor. Eine russische Stellungnahme dazu lag nicht vor.

Unterdessen wurde bekannt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag zu einem Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet wird. Thema seien die Bedingungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden, teilte das französische Präsidialamt mit.

Der Empfang ist auch ein Zeichen der Unterstützung für den wegen Korruptionsermittlungen in seinem engsten Umfeld innenpolitisch unter Druck geratenen Selenskyj.

Ein Verhandlungsteam der Ukraine ist auf dem Weg in die USA, um über den Plan für ein Ende des Krieges mit Russland zu beraten. Die Delegation werde vom Chef des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, geleitet, gab der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestern auf der Plattform X bekannt.

Selenskyjs bisheriger Präsidialamtschef Andrij Jermak ist infolge seines Rücktritts nicht dabei. Er hatte sein Amt wegen Korruptionsvorwürfen am Freitag abgeben müssen

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Umstrittener Plan

Jermak war der Leiter der ukrainischen Delegation bei den jüngsten Gesprächen in Genf über den von den USA vorgelegten Ukraine-Plan gewesen. Die ursprüngliche Fassung dieses Plans war weithin als äußerst vorteilhaft für Russland beurteilt worden.

So sollte die Ukraine nicht nur die von Russland besetzten Gebiete im Osten des Landes abtreten, sondern auch noch nicht eroberte Regionen dort. Zudem sollte die Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichten.

Nach den Gesprächen in Genf, an denen auch die Europäer beteiligt waren, wurde der 28-Punkte-Plan abgemildert. Moskau beharrt aber auf dem Rückzug der ukrainischen Armee aus den von Russland beanspruchten Gebieten. Kreml-Chef Wladimir Putin bezeichnete die überarbeitete 20-Punkte-Fassung immerhin als mögliche „Grundlage für zukünftige Vereinbarungen“.

Wirtschaft

In den USA haben Konsumenten und Konsumentinnen am Black Friday auf der Suche nach Schnäppchen in Internetshops rekordverdächtige knapp zwölf Milliarden Dollar ausgegeben. Geholfen haben ihnen dabei KI-gestützte Shoppingtools, wie gestern bekannt wurde.

Laut Adobe Analytics, das eine Billion Besuche von Käufern auf Online-Einzelhandelswebsits erfasste, gaben Amerikaner am wichtigsten Einkaufstag des Jahres 11,8 Milliarden Dollar (13,7 Mrd. Euro) online aus, 9,1 Prozent mehr als 2024. Die KI-unterstützte Suche nach besonders günstigen Angeboten in Einzelhandelsportalen stieg laut Adobe um 805 Prozent im Vergleich zu 2024.

Lassen Entscheidungsprozess „schneller erscheinen“

Im Vorjahr waren KI-Instrumente wie Rufus von Amazon noch nicht auf dem Markt. „Die Verbraucher nutzen neue Tools, um schneller an das zu gelangen, was sie brauchen“, sagte Suzy Davidkhanian, Analystin bei eMarketer.

„Die Suche nach Geschenken kann stressig sein, und LLMs (große Sprachmodelle, Anm.) lassen den Entdeckungsprozess schneller und geführter erscheinen.“ Dazu passt eine Adobe-Umfrage, in der fast die Hälfte aller Befragten angab, dass sie in dieser Saison künstliche Intelligenz (KI) beim Onlineshopping eingesetzt haben oder einsetzen wollen.

Weniger Produkte, höhere Preise

Laut dem Softwareunternehmen Salesforce haben KI-Bots am Black Friday weltweit 14,2 Milliarden Dollar an Onlineverkäufen beeinflusst, davon allein drei Milliarden Dollar in den USA. Obwohl die US-Verbraucher an diesem Black Friday mehr ausgaben als im vergangenen Jahr, hemmten Preiserhöhungen laut Salesforce die Onlinenachfrage.

Deswegen hätten Käufer unter dem Strich weniger Artikel gekauft als 2024. Das Bestellvolumen ging um ein Prozent zurück, während die durchschnittlichen Verkaufspreise um sieben Prozent stiegen.

Chronik

Nach der Brandkatastrophe in einem Hochhauskomplex hat in Hongkong eine offizielle, dreitägige Trauer begonnen. Tausende Menschen erwiesen den 128 Todesopfern am Samstag die letzte Ehre, legten Blumen nieder und trugen sich in Kondolenzbücher ein. Regierungsvertreter hielten heute in der Früh drei Schweigeminuten ab, während die Flaggen Hongkongs und Chinas auf halbmast wehten.

Menschen bei einer Gedenkfeier in Hongkong
Reuters/Lam Yik

Aus der ganzen Stadt strömten Bewohnerinnen und Bewohner der Millionenmetropole zu einem kleinen Park in der Nähe der verkohlten Hochhausgerippe. Die Trauernden legten weiße und gelbe Blumen und handgeschriebene Kondolenzkarten nieder. Mehr als 40 Stunden lang hatten die Flammen in dem Wohnkomplex Wang Fuk Court gewütet.

Das Flammeninferno in einem Wohnkomplex mit acht Wolkenkratzern hatte Hongkong erschüttert. Der Regierungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone, John Lee, stand mit mehreren Ministern und Dutzenden hochrangigen Beamten drei Minuten lang schweigend vor dem Regierungssitz.

Weitere Festnahmen

Die Polizei teilte am Samstag bei einer Pressekonferenz mit, die Zahl von 128 Todesopfern habe sich nicht verändert. 44 Tote seien noch nicht identifiziert. Zahlreiche Polizisten der Abteilung zur Opferidentifikation, alle in weiße Overalls gehüllt, beendeten die Durchsuchung von zwei der acht Hochhaustürme und fanden dabei keine weiteren Toten.

Rettungskräfte versuchten weiter, den Verbleib von rund 150 Menschen zu klären, die als vermisst gemeldet wurden und nicht erreichbar waren. Gestern (Ortszeit) hatte die Antikorruptionsbehörde der Stadt acht weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Großbrand festgenommen.

Die unabhängige Antikorruptionskommission (ICAC) erklärte, bei den sieben Männern und einer Frau handle es sich um „Berater, Gerüstbau-Subunternehmer und (einen, Anm.) Mittelsmann des Projekts“. Zuvor hatte die Polizei bereits die Festnahme von drei Mitarbeitern einer Baufirma gemeldet.