Wir fuhren auf der Schnellstraße von Tel Aviv nach Norden in Richtung Haifa. Gut möglich, dass man diese Straße inzwischen neu asphaltiert hat, oder sogar verbreitert. Das Ziel war Caesarea, wo man direkt am Meer römische Ruinen und die Überreste des Palasts des Herodes besichtigen kann. Draußen quälte die am Levantischen Meer immer etwas feuchte Hitze des Juli. Aber in dem Taxi, auf dessen Rückbank wir saßen, war es angenehm kühl.
Der Fahrer hatte sich am Morgen im Hotel vorgestellt und redete jetzt zwar viel, aber nicht so viel, dass es auf die Nerven gegangen wäre. Er war von dieser Art, die sich nicht geniert, in gebrochenem oder fehlerhaftem Englisch zu reden. Er war ein freundlicher Mann. Ich erfuhr etwa, was sein Bruder von Beruf war, dass in der Nähe von Caesarea ein eingewanderter reicher Russe wohltätig wirke, und dass in der Küstenstadt Netanja, deren Wohnviertel wie viele in dem Land ein bisschen wie aus dem Boden gestampft aussahen, eine große Zahl Französischstämmiger lebe. Sein Lieblingsthema waren die Immobilienpreise. Jeden strahlend weißen Neubau, der vorbeizog, und davon gab es einige, kommentierte er: »This house: five million dollars«, oder »Apartment over there: two million dollars«. Es klang ein wenig, als wäre er stolz auf diese Preise.
Wenn er nicht redete, klopfte der Mann mit den Fingern im Rhythmus auf dem Lenkrad und summte mit, was aus den Lautsprechern kam: amerikanische Weihnachtslieder. Oh, the weather outside is frightful, but the fire is so delightful, sang Dean Martin, let it snow, let it snow, let it snow. Und es erklang It’s the most wonderful time of the year.
Am Straßenrand war trockenes, gelbliches Kraut zu sehen, unter den niedrigen Bäumen da draußen würde man Zikaden hören. Es war ja Juli.
War der Taxifahrer exzentrisch? Oder hatte er bloß überhaupt keine Verbindung zu Weihnachten? Wussten Sie, dass diese Weihnachtsklassiker von jüdischen Komponisten geschrieben wurden? Ich nicht, und wenn er es wusste, war es ihm vielleicht ganz egal. Ich glaube, er mochte einfach diese Lieder.
Geduldig hatte der Taxifahrer gewartet, während wir die Ruinen besichtigten. Als wir das Gelände verließen, stand er neben seinem Fahrzeug an einem kleinen Strandkiosk und winkte. Ich erinnere mich gern an ihn, wenn ich in den Vorweihnachtstagen im Supermarkt oder weil jemand eine ironische Spotify-Liste abspielt, Let it snow höre.