Staatsanwalt ermittelt"Anzeigenhauptmeister" hat Ärger mit der Justiz

Um den "Anzeigenhauptmeister" ist es etwas ruhiger geworden - bis jetzt. Im Internet postet der 19-Jährige Videos. Trägt er darin eine Pistole bei sich? Verbrennt er einen Koran? Die Behörden ermitteln, der selbst ernannte Ordnungshüter ist sich keiner Schuld bewusst.
Die Staatsanwaltschaft in Halle ermittelt gegen den "Anzeigenhauptmeister". Unter diesem Pseudonym ist ein junger Mann aus Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg bekannt geworden. Es gebe ein Verfahren und zwei Vorwürfe gegen den Mann, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Konkret werde dem 19-Jährigen ein mutmaßlicher Verstoß gegen das Waffengesetz sowie die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen vorgeworfen.
Im Internet waren Videos aufgetaucht, die den Beschuldigten zeigten - unter anderem mit einem "pistolenähnlichen Gegenstand", sagte der Sprecher. Außerdem werde ermittelt, ob und warum der Beschuldigte einen Koran verbrannt hat. Der 19-Jährige sagte, er gehe davon aus, dass die Ermittlungen gegen ihn eingestellt werden, da seine Taten seiner Meinung nach keine strafrechtliche Relevanz hätten. "Was ich im Internet teile, mache ich bewusst - um zu provozieren." Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
19-Jähriger gibt Spielzeugpistole ab
Der "Anzeigenhauptmeister" war durch Videos in sozialen Medien bekannt geworden, in denen er von unzähligen Anzeigen wegen Falschparkens und anderen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung berichtete. Einzelne Behörden hatten bestätigt, dass er eine Vielzahl von Anzeigen erstattet hatte. Dabei war auch darauf hingewiesen worden, dass der Mann damit für enormen behördlichen Aufwand sorgt.
Die Staatsanwaltschaft habe am 25. November einen Antrag auf Durchsuchung an der Meldeadresse des Beschuldigten gestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Diese sei noch am selben Tag vollstreckt worden, jedoch sei der junge Mann dabei nicht angetroffen worden.
Am vergangenen Mittwoch habe der 19-Jährige sich dann bei einer Polizeistation in Mittelhessen gemeldet und gesagt, dass er wisse, dass die Polizei an seiner Meldeadresse war. Außerdem habe er eine Spielzeugpistole abgegeben, so der Sprecher. "Es ist denkbar, dass es sich dabei um den pistolenähnlichen Gegenstand aus dem Video handelt." Der "Anzeigenhauptmeister" selbst gab an, es sei die Spielzeugpistole aus dem Video gewesen. Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll dem Beschuldigten nun unter anderem rechtliches Gehör verschafft werden, hieß es.