Der erste Renault Clio kam 1990 als Nachfolger des damaligen R5 auf den Markt. Seitdem wurden über 17 Millionen Exemplare verkauft. Den neuen Clio bietet Renault als Verbrenner-Modell parallel zum reinelektrischen Renault 5 an, womit sich der französische Hersteller im Kleinwagen-Segment doppelt positioniert.
In Europa konnte sich der Clio im ersten Halbjahr 2025 die Position des meistverkauften Autos sichern. Zuletzt rollten täglich rund 1.000 Clio in der Türkei vom Band. Insidern zufolge sahen die Langfrist-Planungen bei Renault ein Ende der Clio-Ära nach fünf Generationen vor. Nachdem der allgemeine Hochlauf der Elektromobilität langsamer voranschreitet als erhofft, wurde diese Strategie angepasst. Auf der Messe IAA Mobility feierte im September 2025 die sechste Clio-Generation ihre Premiere. Wie neu ist der Franzose im Vergleich zum Vorgänger?
Gleiche Plattform, mehr Format
Die CMF-B-Plattform von Renault stellt auch die technische Basis für den neuen Renault Clio. Darauf sitzt eine größere Karosserie, aber auch der Radstand ist mit dem Modellwechsel minimal gewachsen. Er misst 2.591 mm, also acht Millimeter mehr als der des Vorgängers. Wie gehabt wird der Clio ausschließlich als Fünftürer angeboten. Er ist 4.116 mm lang, überragt den Clio V also um 67 Millimeter. Die Breite hat um 39 auf 1.768 mm (ohne Außenspiegel) zugenommen, die Höhe um elf auf 1.451 mm. Ein optischer Kniff soll das Auge des Betrachters an die größeren Abmessungen gewöhnen. Schwarze Radlaufleisten sind neu am Renault Clio. Sie kaschieren nicht nur die Höhe, sondern dürften – in den Augen der Designer – auch dem aktuellen Trend zu SUV- und Crossover-Konzepten Rechnung tragen. Je nach Ausstattungslinie sind die Kunststoffdekore schwarz matt oder hochglänzend ausgeführt.
Beim Design geht der Renault Clio andere Wege als der Vorgänger. Dieser wurde zum Start 2019 von manchen Betrachtern eher für ein Facelift gehalten, so dezent waren die Unterschiede. Das dürfte jetzt nicht passieren. Steil reckt sich der Kühlergrill nach vorne, im Stoßfänger ist ein weiterer Lufteinlass integriert. Während das Clio-Gesicht bisher den Grill mit Markenlogo, die Scheinwerfer und das Tagfahrlicht miteinander verband, setzt die Optik jetzt auf eine deutliche Trennung der Elemente. Die LED-Leisten für das Tagfahrlicht sind weit außen im Stoßfänger platziert, was die Breite des Autos optisch betont. Neue Wege gingen die Gestalter bei den Scheinwerfern. Sie liegen zurückgesetzt in der Karosserie und verzichten auf ein bündig abschließendes Deckglas. Die schwarze Einfassung sorgt für einen entschlossenen Blick.
Anstelle der betonten Keilform der fünften Generation liegt die Gürtellinie beim neuen Modell horizontal, sie steigt erst unter dem hinteren Fenster an. Zur Clio-DNA gehören die in den C-Säulen integrierten Türgriffe. Ganz neu präsentiert sich die Heckansicht. Die Scheibe steht deutlich flacher, eine scharfe Abrisskante trennt das "Greenhouse" vom Blech der Heckklappe. Auch hier haben die Kreativen neue Lichtspiele durchgesetzt. Die Rückleuchten bestehen aus vier Elementen, deren Rahmen die Form der vorderen Scheinwerfer aufnimmt. Der Kofferraum unter der großen Klappe fasst, wie bisher, bis zu 391 Liter Gepäck. Eine um vier Zentimeter niedrigere Ladekante soll das Ein- und Ausladen von Gepäck beim neuen Clio erleichtern.
Etwas mehr Platz für die hinteren Passagiere
Im Fond sorgt der gewachsene Radstand für leicht verbesserte Platzverhältnisse. Jedoch ist auch der neue Renault Clio kein Raumwunder, wie die erste Sitzprobe zeigt. Das schräge Heck reduziert die Kopffreiheit für große Passagiere, da der notwendige Bauraum für die Scharniere der Heckklappe die Innenhöhe reduziert. Seine Verwandtschaft zum Vorgänger kann der neue Kleinwagen bei der Komfort-Ausstattung in der zweiten Reihe nicht verheimlichen. Auch künftig fehlen Stromanschlüsse und einstellbare Lüftungsdüsen im Fond.
Unverändert flach ist die Sitzfläche auf dem Fahrersitz, was die Oberschenkelauflage minimiert. Ansonsten gefällt das Mobiliar in der ersten Reihe mit seinem üppigen Format, das Raumangebot liegt auf dem Niveau des Vorgängers.
Jetzt mit Google-Infotainment
Den größten Sprung beim Modellwechsel macht die digitale Ausstattung des Renault Clio. Der Kleinwagen nutzt nun die aktuelle Infotainment-Struktur der Marke mit Google-Software. Das OpenR-System ist ab der zweiten Ausstattungslinie Techno serienmäßig an Bord. Auf dem zehn Zoll großen Touchscreen (Vorgänger: je nach Ausstattung sieben oder 9,3 Zoll) kann man über den Play Store Apps, unter anderem die von Streamingdiensten, direkt ins Auto laden. Insgesamt stehen 100 Anwendungsprogramme zur Wahl. Der Google Assistant steht als Sprachsteuerung bereit, Google Maps kümmert sich um die Routenplanung mit Einbindung von Echtzeit-Verkehrsdaten.
Für den Zeitraum von drei Jahren nach Erstzulassung ist ein Paket mit 2GB Datenvolumen im Monat gratis, danach soll man ein Abo abschließen können, dessen Preis noch nicht bekannt ist. Die Kartengrafik der Navigation kann man auch im digitalen Kombiinstrument hinter dem Lenkrad aufrufen. Dieses Display hat ebenfalls eine Bildschirmdiagonale von zehn Zoll, bereits ab der Basis Evolution. Im bisherigen Clio kam hier eine sieben Zoll große Anzeige zum Einsatz. Apple CarPlay und Android Auto sind in beiden Modellgeneration ohne Kabelverbindung nutzbar, eine induktive Lademöglichkeit ist auch weiterhin erst im Topmodell mit dem Namen Esprit Alpine Teil der Serienausstattung. Anstelle der bisherigen BOSE-Anlage kann man dann ein optionales Soundsystem der Marke Harman/Kardon konfigurieren.
Neue Motoren ab 115 PS
Der Umfang des Motorenprogramms für den Renault Clio wird in der sechsten Generation reduziert. Die Basis stellt ein 1,2 Liter großer Dreizylinder-Benziner mit 85 kW/115 dar, der bis zu 190 Nm Drehmoment produziert. Er löst den bisher angebotenen Einliter-Turbo ab, der zuletzt als TCe 90 mit einer Leistung von 91 PS im Angebot war. Alternativ zum manuellen Sechsgang-Getriebe kann man den Benziner erstmals auch mit Doppelkupplungs-Automatik und Schaltwippen am Lenkrad bekommen. Der WLTP-Normverbrauch soll, trotz der Mehrleistung, mit 5,0-5,1 l/100 km etwas geringer ausfallen als beim Clio V TCe 90 (5,3 l/100 km).
Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 ist der offizielle Name der Vollhybrid-Version. Sie erhält den neuen Antriebsstrang, den Horse Powertrain als Joint Venture von Renault mit dem chinesischen Geely-Konzern entwickelt hat. Die Elektrokomponenten sind mit denen des Vorgängers weitestgehend identisch. 36 kW (49 PS) leistet der E-Motor, dazu kommt ein Startergenerator mit 15 kW (20 PS). Letzterer sorgt für das Zusammenspiel mit dem neuen Benziner. Der 1,8 Liter große Vierzylinder leistet 80 kW (109 PS). Als Systemleistung gibt der Hersteller 116 kW/158 PS an, der Normverbrauch soll bei 3,9 Litern je 100 Kilometer liegen. Um die Kraftübertragung kümmert sich weiterhin das Multi-Mode-Getriebe mit insgesamt 15 Übersetzungen, das für den Fahrer wie eine Automatik arbeitet.
Weniger sparsame Vorgänger-Motoren
Im Vorgänger arbeitete ein 1,6 Liter großer Sauger mit 94 PS, die Hybrid-Systemleistung lag bei 105 kW/143 PS. Mit einem Prospektwert von 4,3 l/100 km war der bisherige Clio Hybrid um 0,4 Liter durstiger als der Nachfolger. Der hat aus dem Stand zudem nach 8,3 Sekunden und damit eine Sekunde schneller Landstraßentempo 100 km/h erreicht.
Nicht mehr im Angebot für die sechste Clio-Generation: Der Dreizylinder-Sauger mit 49 kW / 67 PS im Basismodell SCe 65. Nachdem die Franzosen im Kleinwagen-Segment seit dem Wechsel vom R5 zum ersten Clio und auch bei späteren Modellwechseln das Vorgängermodell als Sonderserie eine Zeit lang parallel weitergebaut hatten, könnte das auch für den Basis-Clio der Fall sein. Unklar ist aktuell jedoch, ob er die künftigen Zulassungsvorschriften erfüllen kann.
Drei Ausstattungslinien
Die Angebotsstruktur ändert sich nicht. Auch den neuen Renault Clio wird es in den Linien Evolution, Techno und Esprit Alpine geben. Die Serienausstattung umfasst künftig schon im Grundmodell eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und das größere 10-Zoll-Display im Cockpit. Im Clio Techno zieht erstmals eine Ambientebeleuchtung mit 48 wählbaren Farben ein. Das Topmodell Esprit Alpine wird innen mit Mikrofaser-Material des italienischen Spezialisten Alcantara ausgeschlagen. Von den sieben Farben, die für den Clio angerührt werden, sind zwei neu. Sie heißen "Absolut-Rot" und "Absolut-Grün".
Der Clio dürfte teurer werden
Noch in diesem Jahr werden die ersten Exemplare der neuen Clio-Generation an Händler und Kunden ausgeliefert. Preise wurden noch nicht kommuniziert. Das bisherige Basismodell Evolution SCe 65 startete bei 19.350 Euro, der TCe 90 bei 20.250 Euro. Mit dem Entfall des Einstiegsmotors wird die neue Generation also über der 20.000-Euro-Marke liegen. Trotz des Leistungszuwachses beim Benziner um 25 Pferdestärken erwarten wir eine moderate Erhöhung des Grundpreises auf rund 21.000 Euro.





