Die Startaufstellung zum Sprint zum GP Katar versprach einen spannenden Kurz-Grand-Prix. Nach 19 Runden waren alle enttäuscht. Schon am Ende der Startrunde war die Spannung dahin. Während der knapp 27 Minuten Autokorso gab es genau drei Überholmanöver. Eines davon war nicht mal ein echtes. Charles Leclerc kam von der Strecke ab, und Liam Lawson gewann kurzfristig eine Position.
Zwei Überholmanöver fanden am Ende der 1.068 Meter langen Zielgeraden statt. Leclerc holte sich dort den Platz gegen Lawson zurück. Und Andrea Kimi Antonelli ging an Fernando Alonso vorbei. Aber nur, weil der Spanier in der Zielkurve einen Abstecher durchs Kiesbett nahm.
Das Überholproblem auf dem Losail Circuit war von den drei vorherigen Auftritten der Formel 1 bekannt. Trotzdem beließ es die FIA bei der im letzten Jahr korrigierten DRS-Zone. Sie beginnt 305 Meter hinter Kurve 16 und endet mit dem Bremspunkt 40 Meter vor der ersten Kurve. Damit ist der Heckflügel 723 Meter lang geöffnet. Das erwies sich schon im letzten Jahr als zu gering. Da wurden im Hauptrennen gerade einmal 25 Überholmanöver gezählt.
Mit längerer DRS-Zone mehr Überholmanöver
Im Jahr 2023 war die DRS-Zone noch 175 Meter länger. Sie begann bereits 130 Meter hinter Kurve 16 und maß damit immerhin 898 Meter. 43 Überholmanöver zeigen nicht nur, dass eine Korrelation zur Länge der DRS-Zone besteht. Man kann auch nicht sagen, dass es den Piloten damals zu leicht gemacht wurde. 43 ist eine vernünftige Zahl.
Charles Leclerc versteht nicht, warum die FIA nicht schon im Vorfeld zurück zum alten Zustand gegangen ist. "Auf dieser Strecke muss etwas passieren. Überholen ist praktisch unmöglich." Auch George Russell würde für eine Ausweitung der DRS-Zone plädieren. Oder einer Änderung der Strecke. "Die Zielkurve ist sehr schnell und sehr schwierig. Da ist es schwer, dranzubleiben. Der Bremspunkt liegt 40 Meter vor der ersten Kurve. Zum Ausbremsen brauchst du aber 100 Meter." Mit anderen Worten: Das Layout ist so unglücklich, dass nur eine DRS-Verlängerung hilft.
Die FIA hätte die Länge der DRS-Zone noch bis zur Qualifikation korrigieren können. Sie sah davon ab, weil es unter den Teams nicht genügend Fürsprecher gab. Sauber-Teamchef Jonathan Wheatley bedauerte: "Das ist keine banale Änderung. Wenn du länger DRS hast, musst du das Setup anpassen. Heute, wo jedes Detail optimiert ist, geht das nicht so im Handumdrehen."

In Monaco bremsten einige Fahrer das Feld hinter sich absichtlich ein, um dem Teamkollegen einen Boxenstopp ohne Platzverlust zu ermöglichen. Droht das gleiche Szenario in Katar?
Monaco-Trick könnte wieder funktionieren
Auch die FIA braucht bei so einer Maßnahme vor Ort eine gewisse Vorlaufzeit. In allen Autos müssen die Signale für das Aktivieren des Heckflügel-Flaps neu eingestellt und idealerweise vorher in einem freien Training getestet werden. Das ist an einem Sprintrennen schwierig.
Die Laufzeitbeschränkung der Pirelli-Reifen könnte sich im Zusammenhang mit dem Überholproblem als kontraproduktiv erweisen. Experten befürchten ein ähnliches Szenario wie beim GP Monaco. Zwei Fahrer eines Teams könnten so zusammenspielen, dass sie durch bewusstes Langsamfahren eine ausreichend große Lücke im Feld aufreißen, damit der Kollege ohne Platzverlust seinen Boxenstopp abspulen kann.
Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin glaubt nicht, dass dieses Teamwork in Katar so gut funktioniert wie in Monte Carlo. "Wer absichtlich ein paar Sekunden langsamer fährt, verliert Reifentemperatur und ist auf der Geraden angreifbar." Die Reifen wären dann zu kalt in der letzten und der ersten Kurve.












